Baracke am Ehrenfelsen, Elmstein


Ulrich Loschky schreibt in der Elmsteiner Heimatschrift:
„Von dem Schicksal der zumeist russischen Zwangsarbeiter in der Baracke am Ehrenfelsen wussten die Kinder wenig. Verbotene(!) Kontakte zu den Fremden, so Frau [Adelheid] Kastauer, ergaben sich, wenn sie kamen und um „Brombeer" oder „Zwiebel" bettelten. Als Dank für die Nahrungsmittel erhielten die Kinder Spielzeug, das die „Russen" selbst geschnitzt hatten. Herbert Link bekam einen Wackeldackel aus Holz, - auch ein Pfau mit „Pfauenrad" wurde ihm geschenkt. Dass ein Russe am Mittagstisch der Familie Link teilnahm, war eine Geste der Mitmenschlichkeit, auf die die Mutter nicht verzichtete. Die schmackhaften „roten Rüben" allerdings wollte er nicht essen. „Du Kuh, du friß" sagte er zur Köchin. Er meinte, die Rüben seien Viehfutter...Der Gefangene war ausgeliehen und half der Mutter den Hang beim Obst- und Gemüsegarten zu mähen. Gegen Abend musste er wieder in die Baracke zurück. Ein Erlebnis hat sich Herbert Link tief eingeprägt. Der Dorfgendarm kam auf seinem ratternden Motorrad an die Russenbaracke und befahl mit schneidendem Kommandoton, dass einer der Gefangenen mit ihm zum Bürgermeister Lämmel kommen müsse. Der Gendarm auf seiner NSU trieb den russischen Arbeiter auf der Straße vor sich her, sodass man das Geklappere seiner Holzschuhe hörte. Seine Mutter, so erlebte es Herbert Link, rief dem Gendarm zu, er solle das sofort unterlassen, „das sind auch Menschen!”. „Mamme, bischd nit schdill, sunschd kummschd ach noch ins KZ”, soll der kleine Herbert voller Angst gerufen haben, wie ihm später seine Mutter erzählte. Peter Riedel steuert folgende Begebenheit bei: Die Familie war an der „Franzosenfichte" zum Holz holen. Zwei Russen, die in der Nähe arbeiten mussten, halfen, die Fuhre nach Hause zu bringen. Kaum dort, wurden die Russen vom herzugeeilten Wachmann gestellt. Als „Belohnung" für deren gute Tat verteilte er Stockhiebe... Zwangsarbeiter durften ohne Erlaubnis nicht mit deutschen „Volksgenossen” zusammenarbeiten. Heimlich, so Herbert Link, schlich er sich dennoch an den Barackenzaun mit Äpfeln in der Tasche aus dem eigenen Garten.“[1]
Endnoten
- ↑ LOSCHKY, Ulrich: Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen an die Zeit des 2. Weltkrieges und die Zeit nach der Kapitulation am 08. Mai 1945, in: Elmsteiner Heimatschrift 33 (2025), S. 13-16, hier S. 15.
- ↑ POHLIT, Gertie: Das Ende des Schweigens im Elmsteiner Tal, in: Die Rheinpfalz, 22.11.2025 [URL: https://www.rheinpfalz.de/kultur_artikel,-das-ende-des-schweigens-im-elmsteiner-tal-_arid,5833797.html, zuletzt abgerufen am 24.11.2025]; LOSCHKY, Ulrich: Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen an die Zeit des 2. Weltkrieges und die Zeit nach der Kapitulation am 08. Mai 1945, in: Elmsteiner Heimatschrift 33 (2025), S. 13-16, hier S. 15.
- ↑ "Baracke am Ehrenfelsen Elmstein", Zeichnung von Heinrich Weintz (freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Wolfgang Ross, Mannheim).
- ↑ POHLIT, Gertie: Das Ende des Schweigens im Elmsteiner Tal, in: Die Rheinpfalz, 22.11.2025 [URL: https://www.rheinpfalz.de/kultur_artikel,-das-ende-des-schweigens-im-elmsteiner-tal-_arid,5833797.html, zuletzt abgerufen am 24.11.2025]; LOSCHKY, Ulrich: Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen an die Zeit des 2. Weltkrieges und die Zeit nach der Kapitulation am 08. Mai 1945, in: Elmsteiner Heimatschrift 33 (2025), S. 13-16, hier S. 15.
- ↑ POHLIT, Gertie: Das Ende des Schweigens im Elmsteiner Tal, in: Die Rheinpfalz, 22.11.2025 [URL: https://www.rheinpfalz.de/kultur_artikel,-das-ende-des-schweigens-im-elmsteiner-tal-_arid,5833797.html, zuletzt abgerufen am 24.11.2025]; LOSCHKY, Ulrich: Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen an die Zeit des 2. Weltkrieges und die Zeit nach der Kapitulation am 08. Mai 1945, in: Elmsteiner Heimatschrift 33 (2025), S. 13-16, hier S. 15.
- ↑ LOSCHKY, Ulrich: Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen an die Zeit des 2. Weltkrieges und die Zeit nach der Kapitulation am 08. Mai 1945, in: Elmsteiner Heimatschrift 33 (2025), S. 13-16, hier S. 15.
- ↑ LOSCHKY, Ulrich: Erinnerungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen an die Zeit des 2. Weltkrieges und die Zeit nach der Kapitulation am 08. Mai 1945, in: Elmsteiner Heimatschrift 33 (2025), S. 13-16, hier S. 15.
Diese Seite wurde zuletzt am 28. November 2025 geändert.