Strafkommando/Arbeitssonderkommando 689

Aus Zwangsarbeit in der Pfalz
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von Benedict von Bremen, M.A.Benedict von Bremen, M.A.

Bericht einer Kommission des Internationalen Roten Kreuzes vom 29. September 1941:

Personalstand:

55 Franzosen, davon 22 in der sog. Strafdivison

Seit einigen Monaten haben die Ausbrüche aus dem Stalag XII B beträchtlich zugenommen.

Da im Stalag XII die Ortlichkeiten zum Vollzug der Strafmaßnahmen absolut unzureichend sind und um zu vermeiden, dass die wieder eingefangenen Entflohenen Monate auf das Verbüßen ihrer Strafe warten müssen, hat der Lagerkommandant fünf Strafkompanien gebildet. Anstelle der Zellenhaft haben sie drei Monate Arbeitsdienst abzuleisten.

Wir hatten nicht die Zeit, diese fünf Kompanien zu besuchen, sondern beschränkten uns darauf, eine nach unsrer Wahl zu sehen.

Dirmstein ist ein kleines Dorf, einige Kilometer von Frankenthal entfernt. Das Kommando ist in einer großen Halle untergebracht, die normalerweise als Fest-und Turnhalle dient.

Das Kommando zählt 55 Mann, von denen nur 22 der speziellen Disziplinarbehandlung unterworfen sind. Alle Männer sind jedoch in der gleichen Halle untergebracht, die ausgesprochen hell beleuchtet ist. Die zweistöckigen Schlafplätze stehen an den Seitenwänden der Halle. Der Innenraum der Halle, frei von Schlafstätten, ist sehr geräumig. Die Küche, mit dem notwendigen Material ausgestattet, befindet sich in einer benachbarten Holzbaracke. Die Köche, beide Franzosen, haben uns erklärt, dass die Nahrung gut und reichlich sei und mit der des Lagers nicht zu vergleichen sei. Die beiden Köche sind seit mehreren Monaten in diesem Kommando tätig. Sie erklärten uns, dass die Männer des Kommandos die gleichen Rationen wie die anderen bekommen.

Einige der Angehörigen des Sonderkommandos haben wir bei der Arbeit gesehen. Sie waren mit Reinigungs- und Instandsetzungsarbeiten an Drainagerohren in den Feldern beschäftigt. Einer von ihnen, ein Bauer, sagte uns „bei uns zuhause auf dem Lande arbeitet man oft härter als hier". Einige der Männer arbeiteten knietief im Wasser, sie hatten Gummistiefel in gutem Zustand an.

Sie bestätigten uns, dass abgesehen von der härteren Arbeit, der strengeren Überwachung, dem Entzug von Tabak und Lohn die Arbeitsbedingungen die gleichen wie für die anderen Gefangenen seien. Sie beschwerten sich jedoch dar über, dass sie seit ihrer Ankunft keine Briefe schreiben und keine erhalten durften. Sie konnten nur einmal, am Tag ihrer Ankunft, schreiben, aber man hat ihnen die Vordrucke für Briefe und Karten, die man ihnen ausgeteilt hatte, wieder abgenommen. Auf unsere Bitte hin wurde sofort eine Untersuchung eingeleitet Es handelte sich hier um eine missbräuchliche Handlung eines Unteroffiziers, der dies angeordnet hatte, ohne dazu ermächtigt zu sein.

Anmerkung: Die Maßnahmen, die in diesem Sonderkommando angewendet werden, entsprechen in allen Punkten der Genfer Konvention.“[1]


Standort: Dirmstein[2]

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Bestandsdauer mindestens Dezember 1941 bis Januar 1943 (Auflösung, Umverlegung in Lager 689 Grünstadt)[3]
Organisatoren

Betreiber:Stalag XII B Frankenthal[4]
Insassen Kriegsgefangene: September 1941: 55 Franzosen, davon 22 in der "Strafdivision"; zu einem anderen Zeitpunkt: 30 indische Kriegsgefangene, 80 russische Kriegsgefangene, 52 französische Kriegsgefangene[5]
Infrastruktur Umnutzung: Fest- und Turnhalle[6]
Sicherung / Befestigung
Bewachung Landesschützenbataillon Grünstadt - Stalag XII B FT; Dezember 1941: 1. Kompanie Landesschützen-Bataillon 776; Januar 1943: 2. Kompanie Landesschützen-Bataillon 433[7]
Einsatzorte
Besonderheit 1941: eine Unterkunft im Obertor 1, eine Unterkunft in Kirchgasse 1[8]

Endnoten

  1. Zitiert in: MARTIN, Michael: Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, in: MARTIN, Michael (Hrsg.): Dirmstein. Adel, Bauern und Bürger (= Abhandlungen zur Geschichte der Pfalz Band 6), Neustadt an der Weinstraße 2005, S. 209-213, hier S. 211f.
  2. SCHARF, Eginhard: Verwischte Spuren, verdrängte Erinnerung. Zwangsarbeit von Kriegsgefangenen und Zivilausländern, in: NESTLER, Gerhard (Hrsg.): Frankenthal unterm Hakenkreuz. Eine pfälzische Stadt in der NS-Zeit, Ludwigshafen 2004, S. 385-417, hier S. 389; Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, B 14, 201: M.Stammlager XII B. Abtlg. 1 e, Anhang zum Kommandantur-Befehl, Frankenthal, 12.12.1941, S. 4 (Dank an Rüdiger Stein, Frankenthal); Bundesarchiv, RH49/55: Kommandant M.-Stammlager XII F, Kommandanturbefehl Nr. 1, Forbach, 4.01.1943, S. 3 [URL: https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/7eb3924f-4081-46d0-a02d-da39d5267ecd/, zuletzt abgerufen am 2.06.2025].
  3. Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, B 14, 201: M.Stammlager XII B. Abtlg. 1 e, Anhang zum Kommandantur-Befehl, Frankenthal, 12.12.1941, S. 4 (Dank an Rüdiger Stein, Frankenthal); Bundesarchiv, RH49/55: Kommandant M.-Stammlager XII F, Kommandanturbefehl Nr. 1, Forbach, 4.01.1943, S. 3 [URL: https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/7eb3924f-4081-46d0-a02d-da39d5267ecd/, zuletzt abgerufen am 2.06.2025].
  4. Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, B 14, 201: M.Stammlager XII B. Abtlg. 1 e, Anhang zum Kommandantur-Befehl, Frankenthal, 12.12.1941, S. 4 (Dank an Rüdiger Stein, Frankenthal); Bundesarchiv, RH49/55: Kommandant M.-Stammlager XII F, Kommandanturbefehl Nr. 1, Forbach, 4.01.1943, S. 3 [URL: https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/7eb3924f-4081-46d0-a02d-da39d5267ecd/, zuletzt abgerufen am 2.06.2025]; MARTIN, Michael: Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, in: MARTIN, Michael (Hrsg.): Dirmstein. Adel, Bauern und Bürger (= Abhandlungen zur Geschichte der Pfalz Band 6), Neustadt an der Weinstraße 2005, S. 209-213, hier S. 211.
  5. MARTIN, Michael: Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, in: MARTIN, Michael (Hrsg.): Dirmstein. Adel, Bauern und Bürger (= Abhandlungen zur Geschichte der Pfalz Band 6), Neustadt an der Weinstraße 2005, S. 209-213, hier S. 211.
  6. MARTIN, Michael: Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, in: MARTIN, Michael (Hrsg.): Dirmstein. Adel, Bauern und Bürger (= Abhandlungen zur Geschichte der Pfalz Band 6), Neustadt an der Weinstraße 2005, S. 209-213, hier S. 211.
  7. MARTIN, Michael: Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, in: MARTIN, Michael (Hrsg.): Dirmstein. Adel, Bauern und Bürger (= Abhandlungen zur Geschichte der Pfalz Band 6), Neustadt an der Weinstraße 2005, S. 209-213, hier S. 211; Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen, B 14, 201: M.Stammlager XII B. Abtlg. 1 e, Anhang zum Kommandantur-Befehl, Frankenthal, 12.12.1941, S. 4 (Dank an Rüdiger Stein, Frankenthal); Bundesarchiv, RH49/55: Kommandant M.-Stammlager XII F, Kommandanturbefehl Nr. 1, Forbach, 4.01.1943, S. 3 [URL: https://invenio.bundesarchiv.de/invenio/direktlink/7eb3924f-4081-46d0-a02d-da39d5267ecd/, zuletzt abgerufen am 2.06.2025].
  8. MARTIN, Michael: Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, in: MARTIN, Michael (Hrsg.): Dirmstein. Adel, Bauern und Bürger (= Abhandlungen zur Geschichte der Pfalz Band 6), Neustadt an der Weinstraße 2005, S. 209-213, hier S. 211.


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